Offener Brief an Jens Spahn

Wer die Pandemie bekämpfen will, muss die Impfbürokratie abbauen.

Zu viele Arztpraxen beklagen sich über bürokratischen Aufwand beim Impfen.

Sehr geehrter Herr Minister, lieber Herr Spahn,

Kurz vor Ostern habe ich von Ihrer Vorstellung gelesen, geimpfte Menschen so zu behandeln wie Menschen, die negativ getestet worden sind und ihnen so schneller Freiheiten beim Einkaufen und Reisen zurückzugeben. Den Vorschlag finde ich hervorragend. Nicht nur würde sich ein solcher Schritt positiv auf die Impfmotivation vieler Bürgerinnen und Bürger auswirken, es wäre auch der in meinen Augen entscheidende Schritt in Richtung Normalität. Sie würden so vielen Restaurantbesitzern, Künstlern und Selbstständigen ihre Existenzängste nehmen und bei vielen weiteren Menschen wie Studierende, Singles, Schüler und Senioren die beklemmende Einsamkeit lindern. Insofern begrüße ich ebenfalls den Impfstart in Arztpraxen.

Leider habe ich in den vergangenen Wochen aber Reaktionen von vielen Ärzten erhalten, die den hohen bürokratischen Aufwand beklagen. Sie wollen alles geben, um den Menschen zu helfen, sehen sich aber nicht in der Lage, ihren Praxisalltag unter solchen Bedingungen fortzuführen. Der Dokumentationszwang, die vielen Datenschutzauflagen und die Einteilung Impfberechtigter nach Dringlichkeit führen zu einer unzumutbaren Mehrbelastung in vielen Praxen und gefährden letztlich den gewünschten Erfolg der Impfkampagne.

Ich bitte Sie, sich dafür stark zu machen, dass die Bürokratie rund um die Impfung schnell abgebaut wird. Als Vorbild nehme ich Länder wie Israel. Wir haben einen Ausnahmezustand. Es gilt, so schnell wie möglich große Teile der Bevölkerung zu impfen. Die Reihenfolge sollte nicht mehr vorgegeben, sondern auch in die Verantwortung der Ärzte gelegt werden. Sie können am besten die Bedürftigkeit ihrer Patienten beurteilen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Johannes Werner, MdA